09. April 2019 Yosemite National Park – Day 2

>Wanderung zu den Yosemite Falls – Lower and Upper

Guten Morgen Allerseits.

Endlich hatten wir mal die Gelegenheit zwei Nächte an ein und dem selber Ort zu verbringen. Hier im Camp 4 des Yosemite National Parks Abschnitt 7D. Zwar scheint generell in den National Parks viel reserviert zu sein, aber man muss einfach Glück haben. Mal sehen wie das dann am Wochenende wird, wenn wir im Sequoia National Park und im Death Valley National Park sind. Aber wir drücken uns vorsorglich mal selbst die Daumen.
Inspiriert von unseren Platznachbarinnen, drei dynamische amerikanische Medizinstudentinnen aus Arkansas, haben wir uns für heute die Yosemite Falls vorgenommen, den Upper und Lower. Die Mädels waren die Route gestern gewandert und hatten somit einen wichtigen Ratschlag parat: Oben liegt Schnee! Ihr braucht gute Schuhe! Wir also, noch etwas durchgefroren von unserer zweiten Campingnacht, gut bekleidet mit Wanderschuhen, Rucksack, Kamera und Fernglas, los gestiefelt.

At Camp4 im Luxus Zelt [Blaues Ungetüm]

Gleich zu Beginn kam ein Anstieg in Serpentinen. Uns wurde zu warm. Die Sonne schien und mehrere Schulklassen kamen an uns vorbei. Wir legten bis auf T-Shirt und Zipp-Off Hose, alles ab und dachte schon, wir hätten zu viel mitgenommen. Pustekuchen, aber das wusste wir noch nicht.
Ein traumhafter Schlängelweg führte uns hoch in den Fels. Mit phänomenaler Aussicht und immer weiter in berauschende Höhen und Aussichtspunkte bis zum ersten großen Highlight. Der Upper Yosemite Fall, in seiner ganzen Pracht von unten zu bestaunen, darunter der Lower Yosemite Fall, der von oben aber nur zu erahnen war [von der Straße aus, sieht man beide super]. Dort wo der obere der Wasserfälle auftraf, war immer noch dick gefrorenes Eis. Ein berauschender Sturzbach, der wie 20 Flugzeuge in der Ferne klang und den ganzen Weg akustisch untermalte. An diesem ersten beachtlichen Standort angekommen, entschieden wir uns auf jeden Fall noch höher zu steigen.

Zufällig trafen wir auf diesem Weg zwei Deutsche aus München. Bisher waren wir noch keinen Landesverwandten über den Weg gelaufen, heute waren es hingegen drei Paare.

Also, Alexander und Clemens wollten auch hinauf kraxeln. Wir zu viert hoch. Erzählten weshalb wir hier waren, wie unsere Routen noch verlaufen würden und was wir sonst so machten. Die Zeit verging wie im Flug bis der erste Schnee kam über den wir klettern mussten. Und mit Schnee ist nicht das gemeint, was wir in Deutschland an Schnee haben, nein, Schnee heißt hier 0,5-1m und oben erwartete uns noch mehr [2m].

Es wurde auch langsam spürbar kälter, die Wege rutschig wegen des Schnees und wir mussten uns noch mehr konzentrieren und die Unterhaltungen stockten. Zwischendrin dachte ich mit Furcht daran wie wir wieder heil runter kommen würden, denn noch wusste ich es nicht.
Am nass nebligen Wasserfall vorbei, neben der steilen schroffen Felswand weiter rauf, erwartete uns dann auch nach 3,5h der Gipfel. Wir konnten ihn sehen.
In der Zwischenzeit waren uns Menschen mit Sneakern und kurze Hosen sowie eine junge Frau mit Jeansrock entgegengekommen. Wirklich gute Ausstattung ist von Vorteil, dachte ich nur und beglückwünschte mich zu meiner eigenen Ausrüstung.
Als letztes Hindernis galt es noch einen umgestürzten Baum zu bewältigen und dann noch 200m Schneemarsch zu bewältigen, es hatte inzwischen begonnen zu schneien und zu hageln, bis wir den Abgrund sahen.

Foggy and scary – but beautiful

WOW!!!!!!!!!!!!

Ein Ungetüm baute sich vor uns auf. Es war furchterregend. Da es sehr stark windete, ging ich nicht an den Abgrund heran, da ich Angst hatte, mich könnte eine Windböe packen und mitreißen. Kein Geländer, nichts. Dieser ganze Trail ab dem Aussichtspunkte zum Upper Yosemite Fall wäre in Deutschland unter diesen Umständen längst gesperrt gewesen. Zu viel Risiko. Hier scheint man in dieser Hinsicht entspannter zu sein.
Auf jeden Fall, war es gerade etwas zugezogen, weshalb wir nur eine nebligen Aussicht mit tosendem Wasserfall nebendran hatten. Es war wirklich sehr kalt, doch entdeckten wir noch eine Brücke, die über den Wasserfall führte. Dort pausierten wir kurz, doch auch hier wurde es uns schnell zu frostig, sodass mein Partner und ich den Abstieg antraten, während das Münchner Duo nochmals die Aussicht checken wollte.

At the bridge at the Upper Yosemite Fall

Nun kam der heftigste Teil, ein 2,5h Abstieg über Fels und rutschigen Schnee. Wir ließen uns Zeit, stoppten immer mal wieder, tranken, gingen weiter. Dieser Trail verlangte uns schon einiges ab, obwohl ich mal behaupten würde, dass wir nicht allzu untrainiert sind.
Auf jeden Fall eine große Belastung für Knien und Füße. Die Aussicht war auch nicht mehr richtig zu genießen, da wir schlicht auf jeden Stein und jedes Stück Schnee achten mussten. Als wir schließlich aus der Felsspalte herauskamen und wieder am Aussichtspunkt zum Wasserfall standen, wurde es Wärmer und einfacher. Inzwischen waren wir doch recht k.o. und froh, dass der Marsch ein Ende hatte. Unten angekommen plagten mich leider Kopfschmerzen – vermutlich ein Sonnenstich. Weshalb wir uns zum Zelt aufmachten und dort erholten.

Am Abend saßen wir, nach warmen Nudeln mit kalifornischem Olivenöl, noch mit unseren Mitzelterinnen am Feuer, quatschen und wurden urplötzlich von einem Waschbär erschreckt, der eine Chipstüte „Sour Cream Onion Style“ [wohlgemerkt ungeöffnet] klaute und diese 300m weiter bis zu einem Baum mitschleppte. Ich hatte noch nie zuvor so ein Tier in freier Wildbahn gesehen. Ein sehr unerschrockenes Tier, denn am Morgen des nächsten Tages erzählten die Mädels, dass der Raccoon es bis ins Zelt von einer von Ihnen geschafft hatte und sie tierisch erschreckt wurde. Wirklich ein weiteres Highlight des Tages, welches uns unseren Autonamen bescherte. Ja, unser Auto hat nach fast einer Woche endlich einen Namen: Raccoon 🙂

Auch lernten wir an diesem Abend eine amerikanische Camping Spezialität kennen: Hershey’s – Das sind Cracker mit Schokolade und Marshmallow. Sehr sweet 😉

So und nun gute Nacht ? das waren einfach unendlich viele Eindrücke für einen Tag und wir sind hundemüde.