01. Mai 2019 Arches National Park

Nach dieser harten Nacht waren wir beide nicht so ganz in der Lage den Morgen positiv zu beginnen. Dunkle Wolken hatten sich über uns zusammengebraut, lichteten sich allerdings auf dem Weg zum Arches National Park und die Sonne kam, wortwörtlich, zum Vorschein.

Die Temperaturen hier sind wirklich nicht zu unterschätzen, obwohl wir Ende April haben bzw heute den ersten Mai, hat es in der Nacht gerne mal 3 Grad Celsius [oder auch etwas unter Null], also warme Sachen einpacken, auch wenn es tagsüber 29 Grad Celsius hat.

Auf jeden Fall kamen wir bei herab brennendem Sonnenschein am Visitor Center im Arches National Park an und planten unsere Route. Da wir nicht gewillt waren eine Megatour zu machen, ging es „nur“ darum alle Viewpoints abzuklappern – von denen es im Arches wirklich viele gibt 🙂

Erster Blick in den Arches National Park

Also los zum Park Avenue Viewpoint, Courthouse Towers Viewpoint, danach Balanced Rock, South and North Window, Double Arch, Parade of Elephants, Wolfe Ranch mit dem Delicate Arch, Skyline Arch….

Auf dem Weg zum Double Arch

Es mag etwas lieblos klingen wie ich das hier runterbete, doch mittlerweile habe ich meine Favoriten gefunden und richtig schnell haut mich nichts mehr aus den Socken. Aber Highlights habe ich trotzdem wahrgenommen 😉

Besonders gefallen hat mir der Double Arch. Alles ist generell sehr überlaufen, auch hier, jedoch legten mein Partner und ich uns einfach auf das Steinbett unter den beiden Arches und schauten gen Himmel. Ein „die Zeit steht still“ Moment. Aus unserer Meditation wurden wir letztendlich von zwei Deutschen gerissen: Zwei Herren etwas fortgeschritteneren Alters, die spektakuläre Fotos machen wollten. Also kletterte der gut beleibte, mit dem Atem schon zu Anfang ringende, nach oben und stellte sich in Position. Allerdings war die Position für seinen Begleiter, welcher das Foto zu schießen hatte, nicht überwältigend genug, weshalb er gestikulierend und laut schreiend versuchte sein lebendiges Fotomaskottchen anzutreiben, sodass dieses noch höher kletterte – also versuchte noch höher zu klettern. Eine sehr bizarre Situation. Alle Menschen an den Double Arches waren in diesen Vorgang eingebunden, jeder wurde von der nasalen Dialektstimme belästigt, ohne dass der Verursacher ansatzweise etwas davon mitbekam. Aber ja, um für zu Hause das perfekte Bild mitzubringen, geht man hier über Leichen. So viel dazu.

Unser eigentlicher Plan war, oben im National Park zu campen. Zwar gab es viele Ausreißerpläne, zum Beispiel noch den Black Canyon und Mesa Verde [beides weiter nördlich] zu besuchen, aber inzwischen wird auch bei uns die Zeit „knapp“. Es ist fast Halbzeit. Was dann auch den Ausschlag gab zu sagen, nein, nach Arches machen wir [wie von Deutschland aus geplant] Monument Valley und Grand Canyon, um noch genug Zeit für Albuquerque, Santa Fee, New Orleans und den Mississippi zu haben.

Leider war der Campground im Arches National Park [es gibt nur einen für den ganzen Park] hoffnungslos überfüllt. Wir suchten weiter. Allerdings kosteten die Zeltplätze im Touridorf Moab zwischen 33-65$ die Nacht. Das war uns tatsächlich zu blöd und wir schauten nach Campgrounds der Regierung. Fanden tatsächlich auch welche und fuhren den erst besten an. Natürlich prangte ein fettes „FULL“ Sign am Eingang. Wir, inzwischen erfahren genug zu wissen, dass das nichts heißen mag, sprachen den Camphost an und bekamen zwischen zwei anderen deutschen Pärchen noch einen Gruppenzeltplatz zugewiesen. Frei nach dem Motto: „So, nun habe ich Euch wieder zusammengeführt.“ Diesen zufriedenen Eindruck machte unser Host und ging wieder seiner Wege.

Wir quatschten gleich mal drauf los, kochten, denn ich hatte Bärenhunger und genossen diesen einzigartigen Platz direkt am Colorado River mit steil sich hinauf ziehender Canyonwand zur Linken. Hier bekamen ich wieder das „WOW“-Gefühl. Zudem saßen wir alle später noch zu sechst am Lagerfeuer und waren gespannt auf die angekündigte Lasershow am Canyon.

So viel dazu, Show scheint in Moab anders definiert zu werden. Ein Boot mit Menschen darauf tuckerte den dunklen Colorado hinab und ein Truck beleuchtete nacheinander einzelne Abschnitte mit weiß-gelbem Licht. Kein Laser, keine Show. Nur unregelmäßig angestrahlte Steinwand. Wohlgemerkt war das der einzige Grund für den Truck diese Strecke zu fahren, mal wieder äußerst skurril.

Wir amüsierten uns herrlich und kamen mit Jogi und Nora aus Lüneburg ob der Tauber verstärkt ins Gespräch. Ein klarer Himmel über uns spannte sich auf, übersät mit Millionen an Sternen. Langsam wurde es immer kälter und wir rückten näher am Feuer zusammen.

So klingt ein guter Tag aus – am Lagerfeuer

Die Beiden waren vor ca. 25|30 Jahren schonmal in den USA gewesen und erzählten lebhaft über die damaligen Ereignisse und Reinfälle. Ich bekomme gerade nicht mehr zusammen, wie oft Nora schon hier war, ob einmal allein und nun zum zweiten Mal gemeinsam oder wie auch immer, egal nicht so wichtig. Auf jeden Fall hatten wir eine Menge Spaß, beömmelten uns über ein Toilettenschild, welches Trump verspottete und an dem schon diverse Fans und Gegner vorbeigekommen sein mussten, da es zum Teil durchgestrichen, dann wieder stärker nachgefahren, wieder durchgestrichen etc… wurde.

Gegen 23:00 als das Feuer heruntergebrannt war und uns die Nacht mit ihren kalten Klauen empfing, machten wir uns auf in unsere Zelte und muckelten uns tief in die Decken und Schlafsäcke, logischerweise im 5 fachen Zwiebellook, um keinesfalls zu frieren.

Somit Gute Nacht.