17. April 2019 Dämonen, Mirical Hot Springs und Sean & Frank

3:00 morgens, Ich wache mit Horror Fantasien, die Menschen mit Äxten und heftigstem Tötungsdrang beinhalten, auf. Kann nicht mehr einschlafen.

Ich höre die ganze nächste Stunde auf jedes noch so kleine Geräusch. Ein Squirrel nagt an einer Nussschale, ein Kojote heult, Käuzchen rufen sich zu… Plötzlich fährt ein Auto auf den Parkplatz, ich bin angespannt und schlagartig hellwach, jederzeit bereit zur Flucht. Was machen die hier? Geht mir durch den Kopf. Verdammt, warum sind wir nicht auf einem richtigen Zeltplatz, jetzt passiert es gleich….

Ich komme von meinem Trip einfach nicht mehr runter. Ich höre Männerstimmen. Alles zieht sich in mir zusammen, eigentlich müsste ich mal, aber das kann ich gerade sehr gut unterdrücken. Nach 25 Minuten fährt das Auto wieder. Ich frage mich, ob wir allein sind? Als wir unser Zelt aufbauten, schlief ein obdachlos wirkender Mann weiter unten am Hang bei einem Tisch und mehreren Koffern. Hm..? Die Frau und der Mann, die sagten, dass man hier campen dürfte [was die Hinweisschilder auch belegen] und dass es sicher sei, sind auch nicht mehr da. Irgendwie waren die auch komisch. Ließen ein Zelt hier, fuhren weg, kamen wieder, nahmen alles mit…. Hm. Meine Gedanken drehen sich im Kreis.

Mein Partner erwacht neben mir, ich sage, dass ich totale Panik habe und im Auto schlafen will. Er lässt sich sofort darauf ein und wir kuscheln uns ins warme, abschließbare Auto und schlafen sogar noch ein wenig bis 6:00 Uhr morgens.

Es wird hell. Ich habe kaum noch Angst und wir gehen zurück ins Zelt, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor wir wieder zum Walmart wegen des Zelts und danach zum Sequoia National Park fahren.

Es klappt, wir schlafen bis 8:00 halbwegs entspannt, gönnen uns wieder ein natürliches Bad in der heißen, ganz klaren, Quelle, bis ein Pärchen uns aufschreckt und wir ihnen den Platz freigeben, um oben zu frühstücken.

Dabei treffen wir zwei freiwillige [ich denke] Senioren an, die hier den Müll aufsammeln und entsorgen. Sie bitten uns darum nichts zu hinterlassen und wir können stolz sagen, dass wir auch schon was an Müll weggeräumt haben. Wahrscheinlich durch diesen Sympathie Vorschuss beeinflusst, erhalten wir einen weiteren Hot Spring Tipp. Die Miracle Hot Springs, eine Meile weiter, die sollen noch heißer sein.

So, dann machen wir uns mal auf den Weg.

Keine 15 Minuten weiter entdeckten wir auch schon den beschriebenen Eingang und das parkende Auto von Jannette und George. Sofort empfängt Jannette uns und geht mit uns den Weg vor. Ihre Hündin [leider kann ich mich nicht mehr an den Namen erinnern] hatte – ultra urig – bei der ersten Begegnung bei den Remington Hot Springs ein Triceratops Kostüm umgeschnallt bekommen und lief damit die ganze Zeit fröhlich wedelnd durch die Gegend, es war einfach nur genial dieser Anblick [Gene mach Dich auf was gefasst!]. Jetzt allerdings hatte sie kein Kostüm mehr an und wir waren auch schon bei den 100 Fahrenheit Quellen angekommen. Verdammt, sind die heiß. Mein Partner und ich schafften es nicht ganz rein, es war einfach zu heiß, aber die Füße samt Beinen – und das war schon eine Überwindung! 

An den Miracle Hot Springs lernten wir dann zu allem Überfluss auch noch Sean und seinen Ehemann Frank kennen, zwei unheimlich aufgeschlossene Locals, die uns nach kurzer Zeit zu sich einluden, um uns die Gegend besser zu zeigen und ein paar Geheimtipps preiszugeben, was wir auf unserer Route noch so machen sollten, vor allem hier in Kalifornien. 

So fuhren wir, nach einer Stunde heißer Quellen direkt am Fluss, los zu den beiden nach Kernville, eine unheimlich liebevolle touristisch erschlossene kleine Stadt mit so netten Menschen. Mein Partner und ich können unser Glück immer noch nicht fassen.

Sean und Frank zeigten uns hautnah ihre Lebensweise. Kunst, gemeinsames Essen, Native American Spirit und Musik, Lifestyle, Theorien, Kino, Pizza…. Sie teilten alles mit uns. Ich habe das so intensiv noch nie erlebt und bin immer noch ganz baff.

Zuerst gab es Seans berüchtigten Greek Style Salat – man, war der Lecker! Mit Dinkel und Chilis und Pinienkernen, an uns wurde keinesfalls an Gastfreundschaft oder sonst etwas gespart. Danach unterhielten wir uns angeregt über Trump, America, die Lebensweise der Ureinwohner, unsere Abstammung… Über sehr viel. Wobei Sean uns einlud mit ihm heute ins Kino zu gehen in „Captain Marvel“ und bei ihnen zu übernachten.

Wir stimmten sehr gerne zu, denn wir mussten noch herausfinden, ob der Sequoia National Park überhaupt begehbar war oder unter zu viel Schnee versinkt, dem wir nicht Herr werden würden, da wir keine Schneeketten hatten [die braucht man hier zum Teil bis Juli].

Also machten wir uns gemeinsam – mit Hundespaziergang – einen tollen Nachmittag, lernten noch mehr Locals kennen, einen tollen Rafting Touren Anbieter [Kern River Rafting], filigranste Handarbeit in einem Schmuckstore und – leider nur von außen – das Kernville Museum.

Frank ging dann zur Arbeit in die beste Pizzeria ganz Kaliforniens!!!!!
Sie heißt Pizza Barn – unbedingt hingehen.

Später, noch vor dem Kino, besuchten wir ihn – oh mein Gott ! Gibt es bei uns Pizza mit weißer Knoblauchsoße? Es war der Hammer, so frisch und knusprig und groß [wir teilten uns eine „Large“ Size zu dritt!]

Diese Pizzeria ist nur weiterzuempfehlen. Auf jeden Fall muss man hier gewesen sein, wenn man in der Nähe ist, genialer geht doch nicht!

Gegen 18:30 begann der Marvel Film im kleinen Kino im nächsten Örtchen. So schnuckelig. Die [ich glaube es zumindest] Besitzerin hielt eine kurze witzige Ansprache übers Handy ausschalten und Hähnchen Rezepte. Danach startete ein so amerikanischer Superhelden Film. Zum Teil einfach nur hinreißend komisch. Das Publikum ging richtig mit, die Stimmung im Saal war großartig, darauf muss man sich wirklich einlassen.

Nebenbei bemerkt, mein Englisch nimmt so langsam Gestalt an, ich werde immer besser – a dream comes true ❤

Nach dieser fulminanten Vorstellung ging es ab zu Frank und Sean nach Hause und dort gleich in die nächste Attraktion hineingeschlittert: indianische Trommeln und ritueller Gesang. Sean kam gestern morgen erst aus Texas zurück von einer Zeremonie. Voller Staunen ließen er uns an seinen Künsten teilhaben. Wir hörten ihn, nachdem er die Trommel zusammengebaut hatte, was schon ein meditativer und kräftezehrender Akt war, singen und trommeln und fanden uns in einer anderen Welt wieder. So durchflutet, fühle ich mich selten, es war wunderschön. 

Frank schlug auch noch kräftig auf die Trommel, die die Luft zum vibrieren brachte und Sean sang für uns den Bärensong, den man nur zu Frühlingsanfang singen darf, um die Bären zu wecken. Dann noch den [ich nenne ihn mal voller Respekt] den Ersten-Sonnenstrahl-Song, danach einen, an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnere. Es war einfach unglaublich. Später sang ich auch noch ein altes Lied, welches ich bei einem Segeltörn im Ijsselmeer gelernt und in meinem Kopf aufbewahrt hatte. Wir beschenkten uns auf schlichte, aber lebenserfüllung Weise gegenseitig.

Mein Dank gilt den beiden, heute in ihrem Zuhause schlafen zu dürfen, gesegnet worden zu sein, mit ihnen morgen noch frühstücken zu können und dann voller Energie und neuer Einflüsse in den Tag zu starten.

Für das, was wir erlebt haben, gibt es nicht genug Worte, man muss da sein, im Moment. 

Danke für Eure Zeit, ihr seid fantastisch, Frank and Sean!