23. April 2019 What happens in Vegas

Inzwischen bin ich ein Fan von Hotelzimmern geworden. Weshalb? Gratis Seife, frische Handtücher, große weiche Betten, WLAN und eine Dusche. Das sind wahrhaft große Vorteile, wenn man wie wir seit nun schon 21 Tagen den Hauptanteil campt und nach sechs Tagen ohne Haarwäsche hofft, dass die Haare eine Kreislaufsymbiose eingehen und selbstständig weder ausfetten. So nach dem Motto: drei Tage Fettaufbau – drei Tage Fettabbau – Normalzustand – Drei Tage Fettaufbau und so weiter. Na ja, hat nicht funktioniert ;P

Aber genug von meinen Theorien zum Haarfett. Gegen 11:00 fuhren wir los Richtung Vegas. Erster Zwischenstop eine günstige Tankstelle. Der Spritpreis in Nevada ist deutlich niedriger als in Kalifornien, als Beispiel: Kalifornien 4,40$ per Gallone | Nevada 3,06$ per Gallone. Macht ein bisschen was aus, obwohl wir in Kalifornien uns immer etwas halbwegs passendes im Bereich 3,4$-3,8$ per Gallone rausgesucht haben.

Nach erfolgreichem Volltanken ging es dann die 100 Meilen nach Vegas. Zwischendrin nochmal einen Halt zum  Beine vertreten kurz vor Vegas an einem „Bergpark“ gemacht und dann rein ins Disneyland für Erwachsene. 

Paris, der Eiffelturm, das Louvre, New York New York, Sansibar und was weiß ich nicht alles. Im Lonely Planet stand sinngemäß, diese Stadt sei an Künstlichkeit nicht zu übertreffen und werde die eigenen Erwartungen, egal wie hoch sie angesiedelt sein mögen, immer noch sprengen – wie wahr!

Glitzernde Märchenwelt, High Tec Bildschirme, futuristische Sportarenen und exzessiver Porno. In etwa so, würde ich Las Vegas zusammenfassen. Und das inmitten einer Wüste. Es ist so pervers, dass es irgendwie schon wieder lustig ist. Keine Ahnung, wer sich daran jemals gewöhnen könnte und was danach kommt…? Vielleicht habt Ihr ja Ideen.

Unser erster Streifzug war somit schon ein Bombardement an Eindrücken. Im Airbnb [mit Pool, Klimaanlage, eigenem Kühlschrank und Hund] angekommen, sprangen wir sofort ins kühle Nass und lernten zwei französische Reisemädels kennen, die allerdings sehr wenig Englisch sprachen, weshalb die Kommunikation sich als sehr schwierig erwies. Auf jeden Fall ist es echt warm hier, wie bei uns im Hochsommer 28 Grad Celsius oder so. Daher Pooltime und mal abschalten.

Als uns dann langsam der Magen grummelte, belegten wir eine große Pizza kreativ mit gesunden Zutaten, machten einen Salat und genossen es, mal nicht im Windkanal zu sitzen und auf alles aufpassen zu müssen, dass es nicht wegfliegt.

Wohlgenährt noch ein kleines Päuschen eingelegt und dann ab zum Strip.

Bunt blinkend leuchtete er uns schon entgegen. Bei Nacht wirklich eine Sehenswürdigkeit, auch wenn ich bald von der ganzen Bildschirmreklame, der andauernden Musik, die einen überall beschallt und den Massen an Menschen die Nase voll hatte. Trotzdem, soviel Protzerei und Schein ist auf eine abstoßende Art auch beeindruckend. Eine Stadt, die eine Party ist. Allerdings war  ich von den Casinos mega enttäuscht. Ich dachte, hier in der Stadt der Casinos schlechthin, wird – zumindest zum Teil – das Spiel zelebriert und stilvoll gehandhabt. Aber nein, meist stehen hunderte von Automaten in einer leicht abgedunkelten Halle, die protzig eine europäische Stadt abbilden soll oder es irgendwie versucht [Rom, Venedig, Paris, etc. pp.] Diese Automaten blinken und sirren und verursachen definitiv Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit. Ich fand es so furchtbar. Wenn man Spiele mit menschlicher Interaktion möchte, kann man an einen kommerziell hässlich gestalteten Spieltisch gehen und dort mit anderen die Karten legen oder Würfel rollen lassen, begleitet von einer sehr [!] knapp bekleideten Frau. Überhaupt ist diese Stadt sehr sexistisch und möchte – hauptsächlich – dem Verlangen von Männern Befriedigung verschaffen. Ich würde mich als keinesfalls prüde bezeichnen, aber Mädels, die sich im Duo als Fotoaccessoires gegen Geld auf dem Strip anbieten, so knapp bekleidet, dass sie selbst beim Karneval in Rio auffallen würden und gefühlte 17 Jahre sind, entsprechen nicht ganz meiner Vorstellung von Selbstbestimmung und gelebter Gleichberechtigung. Aber ich kann mich auch irren. 

Jedenfalls ist Vegas ein Spektakel der besonderen Sorte. Das kann man dieser Stadt einfach nicht absprechen. 

Was mir persönlich gut gefallen hat, obwohl ich etwas Angst um eine Entenmama und deren zwei Jungen hatte, war die Wassershow vor dem Bellagio, die alle 15 Minuten startet. Ansonsten ist Vegas für mich weit weniger attraktiv als die National Parks, aber „lag halt auf unserer Route und wollte mitgenommen werden.“
Nein, kleiner Scherz, wenn ihr hier seid, genießt die günstige Unterkünfte, kauft keinesfalls den 10ft Drink, die Farbe von dem Gesöff sieht schon zum Kotzen aus und spielt nicht, es ist so ranzig und keinesfalls steht Fortuna auf Eurer Seite, also behaltet lieber Euer Geld und kauft Euch herrlich süße Ananas [eins muss ich noch sagen, die Stadt ist allerdings super sauber!].

Sodele, dann eine gute Nacht, ich bin sowas von fertig 🙂 Schlaft gut.