04. Mai 2019 Grand Canyon Day 2 – Große Horseshoe Bend Tour

Früh am morgen wurschtelten wir uns aus unserem gemeinsamen Schlafsack und Decken, um heute DIE große Grand Canyon Tour am Horseshoe Bend zu wagen. Es sollten an die 29 Grad Celsius werden, weshalb wie sorgfältig unseren Wasser- und Essensvorrat planten.

Kleiner Funfact: Ich aß an diesem einen Tag 4 [!] Eier, da wir nicht mehr so viel anderes haben…. Deshalb füllte sich jeder von uns die empfohlenen 4L Wasser ab, schmierte Brote und packte Sonnencreme und Kopftuch ein.

Gut vorbereitet ging es dann um 10:00 am Grand View Point los. Auf den ersten 0,5km teilte man sich den steilen Weg noch mit Schaulustigen, danach trennte sich die Spreu vom Weizen und wir waren so gut wie allein unterwegs. Insgesamt kamen uns vllt. 10 Leute auf diesem Weg entgegen [innerhalb von 6 Stunden eine sehr gute Quote]. Auf jeden Fall war es nicht so überlaufen wie der Bright Angel Trail, welcher am populärsten ist.

Wir stiegen also immer weiter runter. Es wurde steiler und steiler. Wir mussten über Geröllhaufen, die den Weg verschütteten sowie über große Steinplatten klettern. Dabei die gigantische unfassbare Aussicht auf den Grand Canyon und das wissen, dass wir tief in sein Herz eindringen würden. Da der Abstieg aufgrund seines Gefälles und der Wegbeschaffenheit schon an den Kräften zehrte, fragte wir uns wie wir da jemals wieder rauf kommen würden. Aber wir wusste, dass wir es schaffen.

Lange hatten wir abgewogen, welche Strecke es werden sollte. Ob doch bis runter – „Classic Version“ sozusagen – zum Colorado River oder „nur“ bis zur Mitte…. Da wir uns beiden nicht unbedingt beweisen mussten [obwohl man mich meistens ganz gut mit solchen Herausforderung piesacken kann] unten gewesen zu sein und der Weg zum Bottom an die 9-10 Stunden, je nach Kondition und Pausen, dauern kann, wurde uns bei den Temperaturen und unserer körperlichen Verfassung klar, wir machen was „leichteres“ so um die 6 Stunden.

Hier ein fettes Lob an Franzi und Luzian die an einem Tag einfach mal vom Bright Angel Trail bis zum South Kaibab gelaufen sind und das in 9 Stunden!!!!! Echt der Hammer, ich ziehe den Hut vor Euch 🙂

Zurück zu unserem Trail. Der zweieinhalb stündige Abstieg in der Sonne hatte so seine Tücken und wir waren froh nirgendwo ausgerutscht oder gestürzt zu sein. Aber es ging doch gut auf die Knien, zumal wir einiges an Gepäck dabei hatten. Regelmäßig hielten wir für Trinkpausen an [diese Trinkrucksäcke sind echt super, ich beneidete die anderen Wanderer sehr darum nicht stehen bleiben zu müssen zum Trinken. Ist eine Überlegung wert, wenn man hier viel wandert]. Wir wollten schließlich keinen Sonnenstich bekommen. Verhältnismäßig frisch kamen wir dann am Aussichtspunkt mit 360 Grad Rundumsicht am Horseshoe Bend linke Hufeisen Hälfte an.

Wow, ein wahnsinniger Ausblick. Niemand da, einfach nur wir, ein paar Condore, Kakteen und der Canyon. Über zwei Stunden sahen wir keine Menschenseele. Unsere 1h Pause nutzen wir fürs Picknick und Fotos machen, sowie hinlegen und den Canyon bewundern. 

Es hat mich so beeindruckt und wir waren noch nicht mal unten. Unter uns entfaltete sich noch ein Plateau und an dessen Rand ging es steil runter zum Colorado River. Ein Weg führte dort auch noch hin, aber wir mussten an den Aufstieg denken und hielten uns an unsere Route. Leider vergaßen wir bei allem „WOW“ und „toll“ uns die Caves anzusehen, weshalb wir ursprünglich diesen Pfad gewählt hatten. Erst als beim Aufstieg ein Mann, ich denke so um die 38, Lincoln zum Verwechseln ähnlich, etwas alternativ unterwegs, an uns wie ein Kaninchen den Berg hinauf hüpfte [wirklich so flockig locker, uns fielen schier die Augen aus dem Kopf] und wir ihn bei einem Plausch mit einem anderen Wanderer zum zweiten Mal trafen und er uns von den Caves erzählte, da er dort gestartet sei, erinnerten wir uns wieder an unser einstiges Vorhaben. Aber zu spät. Eine kuriose Begegnung.

Wir schleppten uns und die geleerten Rucksäcke an die drei Stunden mühselig nach oben. Allerdings hätte ich es heftiger eingeschätzt. Das, was am Anfang beim Bergabgehen so steil und unbesteigbar wirkte, war für den Aufstieg eine Art Treppe geworden, wo man mit kleinen Steps recht viel erreichte und im regelmäßigen Schritt gut voran kam.

Einmal alles von oben | Horseshoe Bend Trail

Als wir uns dem Ende näherten, blickten wir noch oft hinab auf unseren Weg, wie er wo verlaufen war und sich entlang schlängelte. Ganz oben gab es dann das Belohnungsfoto, glücklich und müde fiehlen wir in die Autositze, versuchten zu duschen, hatten aber das Handtuch vergessen, daher ab in die Stadt zu Wendy’s und Fritten gefuttert, getankt und erschöpft zurück ans Lagerfeuer vorm Zelt. Jetzt waren wir echt am Ende und fielen schlagartig bei der letzten Glut in unser Schlafsäcke in eine traumlosen, tiefen Schlaf.